Von:
Uta Schmechta

e-verantwortung.de

Es war keine Naturkatastrophe im Juli 2010 in Duisburg. Es war, was passieren kann, wenn hunderttausende Menschen durch einen engen Tunnel auf ein Veranstaltungsgelände gepresst und gedrückt werden und sich hier stauen.

Wenn in so einer Situation Unvorhergesehenes passiert, kommt Panik auf, Enge erzeugt Angst. Angst ist irrational und eine Naturgewalt. Trotzdem: Mitten im Chaos versuchten junge Männer und Frauen, Freunde abzuschirmen, sich selbst auf den Beinen zu halten, andere hochzuziehen und irgendwie zu überleben. Viele waren danach geschockt, weil sie selbst über Menschenkörper kletterten – im Kampf um das nackte Überleben. Bereits etliche Tage nach der Katastrophe von Duisburg und auch heute steht fest, dass die Todesopfer und Verletzten auf das Konto von Fahrlässigkeit, Geltungssucht, Prestigedenken und einem völlig unzureichenden Sicherheitskonzept gehen.

Bei den Verantwortlichen, Veranstalter Rainer Schaller und Bürgermeister Adolf Sauerland herrschten einerseits Schweigen und andererseits erstaunliche Beredsamkeit, wenn es darum ging, Verantwortung abzuschieben und weg zu reden.

Unzählige Betroffene müssen seither mit ihren Erlebnissen weiterleben, leiden darunter, dass sie nicht helfen konnten oder über andere hinweg getrampelt sind, dass sie überlebt haben, während Freunde starben. Die Weigerung der Verantwortlichen, vor allem des OB Adolf Sauerland, öffentlich auch die moralische Verantwortung zu übernehmen, erschwert nach Auffassung von Trauma-Forschern die psychische Schwerstarbeit des Trauerns. Aber es geht für die Opfer auch um Schadensersatzansprüche, um Schmerzensgeld und teilweise einfach auch um das finanzielle Überleben -solange dies nicht geklärt ist, werden sie im Zuständigkeitsdschungel hin- und hergeschoben.

Mit welchen Gefühlen wird dieser Beitrag heute gelesen? Und dann, zum Jahrestag der Katastrophe?

Verantwortung bedeutet: Rückgrat haben. Sich zeigen. Den Schmerz verstehen und darauf antworten. Manchmal wird das Schweigen nach menschengemachten Katastrophen deshalb noch erschreckender und lähmender erlebt.